Geschichte der Stadt Heidenau/Sa.

Hier ein Beitrag zur Geschichte des Luftbades (Albert- Schwarz- Bad)
Albert Schwarz (1876-1929)
Ein Heidenauer Sozialdemokrat prägt sächsische Landespolitik

Der am 25.9.1876 als Sohn eines Güterbodenarbeiters in Leipzig geborene und zur Schule gegangene Schwarz, absolvierte eine Ausbildung als Metallarbeiter und schloss sich vor der Jahrhundertwende der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung an. Um "sein Wissen um die Zusammenhänge und Probleme des gesellschaftlichen Lebens zu erweitern", besuchte Schwarz das Leipziger Arbeiter-Bildungs-Institut (ABI). Seit 16.9.1907 war er Geschäfts- führer des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV) in Heidenau bei Dresden. In seiner neuen Heimatgemeinde, der er bis zu seinem Tode treu blieb, hatte er großen Anteil an der Förderung der Arbeiterjugend, des Arbeitersportes, des Freidenkerverbandes und des Ar- beiter-Gesangvereines. Dem Arbeitersamariterbund half er bei der Gründung mit finanziellen Mitteln. Als Spezialist für internationale Sozialpolitik und  Bevollmächtigter des DMV in Dresden wurde er im November 1918 zusammen mit Otto Rühle zum Mitvorsitzenden des kurzlebigen (10.-16.11.) Vereinigten Revolutionären Dresdner Arbeiter- und  Soldatenrates (ASR) gewählt. In dem Ende November gebildeten (M)SPD-dominierten ASR "Groß-Dresden" war Schwarz Führungsmitglied. Er amtierte kurzzeitig vom 15.11.1918 bis 21.1.1919 als Volksbeauftragter Arbeits- und Wohlfahrtsminister des zur "sozialen Republik" erklärten Sachsens und wirkte in der problembeladenen Nachkriegszeit vom 21.1.1919 bis 30.4.1921 als Wirtschaftsminister des Freistaates Sachsen.
Der vom politischen Gegner als "robust und aggressiv" (DVP-Generalsekretär Willi Berger) beschriebene Schwarz bemühte sich in diesem Amt sowohl um einen Ausgleich der Interessengegensätze, als auch um eine klar konturierte sozialdemokratische Wirtschaftspolitik. Anfang März 1919 gelang es ihm beispielsweise, einen von der Leipziger USPD ausgerufenen und vom Bürgertum mit einem Gegenstreik beantworteten Ausstand gütlich beizulegen. In Konsequenz seiner auf Durchsetzbarkeit orientierten Sozialisierungspolitik vermochte er im Frühsommer 1919 eine "Landesstelle für Gemeinwirtschaft" ins Leben rufen, die den weiteren Ausbau des effizienten Staatswirtschaftskomplexes Sachsens beförderte. Schwarz war außerdem deutscher Sachverständiger für internationales Arbeitsrecht bei den Friedensverhandlungen im Mai 1919 in Versailles. Krankheitshalber (Lungen-TBC) vom sächsischen Ministeramt zurückgetreten, konzentrierte sich der Landtagsabgeordnete Schwarz (1919-1929) nach seiner Genesung stärker auf die parlamentarische Arbeit. Als Kritiker der sozialdemokratisch-kommunistischen Kooperation des Jahres 1923 verurteilte Schwarz aber auch ab Januar 1924 die von Teilen der SPD-Landtagsfraktion eingegangene Regierung der Großen Koalition mit bürgerlichen Kräften. Ein rein sozialdemokratisches Reformkabinett (wie schon 1920-1922/23) blieb sein politisches Ideal. Auf Grund seiner parlamentarischen Erfahrungen wurde der "Elder Statesman" der SPD 1926 in das Amt des sächsischen Parlamentspräsidenten berufen, das er "mit großer Umsicht, Gewissenhaftigkeit und Energie" ausübte. Fast sterbend eröffnete er den am 12. Mai 1929 gewählten Landtag und leitete die Sitzung, bis sein Nachfolger gewählt war. Er übte seine Pflicht als Abgeordneter und Präsident buchstäblich bis zum letzten Tage aus, alle Mahnungen, auch der Rat seines Arztes und die Bitten seiner mit Recht besorgten Frau konnten ihn daran nicht hindern.
Am 22.7.1929 starb Albert Schwarz im Alter von nur 53 Jahren an den Folgen der Tuberkulose. Dass 1922 bis 1925 unter seiner tatkräftigen Mithilfe und Beratung entstandene Luftbad Heidenau trägt seit 15.April 1948 seinen Namen, nachdem ein hier errichtetes Denkmal zu Ehren des ehemaligen sächsischen Wirtschaftsministers und Landtagspräsidenten 1933 von den Nazis zertrümmert worden war.

Mike Schmeitzner, M.A.

Die Familie Schwarz wohnte in Heidenau auf der Kantstraße 15, einem villenähnlichen Zweifamilienhaus. Frau Schwarz pflegte Ihren seit Geburt kranken Sohn noch einige Jahre. Am letzten Kriegstag hatten die in Heidenau einmarschierenden sowjetischen Truppen hohe Verluste durch sich wehrende Hitlerjungen und Männer vom Volkssturm zu beklagen. So wurde gegen Mittag zur Entlastung ein Bombenangriff geflogen, der 40 Todesopfer forderte, auch Frau Schwarz war unter den Toden, der Luftdruck einer im Garten explodierenden Bombe  tötete sie im ansonsten wenig beschädigten Haus. Sie wurde im Familiengrab bei ihrem Mann beerdigt. Das Grab wurde in den 70 er Jahren leider beseitigt.


Albert Schwarz und die Gründung der Luftbadgenossenschaft
Heidenau

Bereits 1911, genauer am 06.05.1911, gab es die ersten Gedanken für den Bau eines Luftbades in Heidenau. Der Verein „Volksgesundheit“ war zu dieser Zeit mit dem Pächter des Rittergutes Gamig schriftlich in Verbindung getreten wegen dem Ankauf oder Pachtung eines Stücks Land. Eine Antwort erhielt der Verein aber nie. Ein erneuter Anlauf wurde im Februar 1912 unternommen. In Gommern lag ein Grundstück, dass besonders geeignet zur Einrichtung eines Licht- und Luftbades war, der „Gommersche Busch“. Der Vorstand wurde beauftragt, Verhandlungen mit dem Besitzer des 29000m² großen Grundstückes zu führen mit dem Ergebnis, das dieses Projekt ebenfalls fallen gelassen wurde. Hier muss angemerkt werden, dass mit dem Luftbad noch kein Schwimmbad gedacht war, sondern reine Erholung an der Luft. Vor dem ersten Weltkrieg ein für viele sehr modernes, wenn nicht gar sonderbares Anliegen. Während des Krieges hatten die Menschen andere Sorgen als die Errichtung eines Bades. Erst nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches 1918, als sich die Mitglieder des Vereins wieder zusammenfanden und die gesundheitlichen Folgen des Krieges durch Unterernährung und Tuberkulose sich bemerkbar machten und die öffentliche Meinung den Aufenthalt im Freien positiver eingestellt war, wurde das Projekt wieder interessant. Im Januar 1920 beantragte der Vorstand der „Volksgesundheit“ die Wahl einer Kommission, welche eine Machbarkeitsstudie erstellen sollte. Die daraufhin gewählte Kommission legte ihre Erkenntnisse dem Vorstand bereits im März vor: Das einzige Objekt sei die Kiesgrube der Familie Demmler und zurzeit verkäuflich. Gleichlaufend mit der Kommission hatte sich der Vorstand mit dem Besitzer des Rittergutes Gamig, Herrn Höntsch, in Verbindung gesetzt um ihn für das Luftbad zu interessieren. In den folgenden Besprechungen erklärte sich Herr Höntsch bereit, die Meuscha pachtweise für ein Jahr zu überlassen.
Obwohl ein Vertrag über so eine kurze Zeit äußerst Riskant ist, legte der Vorstand  am 02.April 1920 einer außerordentlichen Generalversammlung  den Vertrag vor. In dieser Versammlung wurde die Besichtigung der beiden Favoriten beschlossen um sich für eines entscheiden zu können. In dergleichen Versammlung wurde nach längerer Aussprache beschlossen, keinen e.V. zu gründen, sondern eine Genossenschaft m.b.H. Die angesetzte Besichtigung ergab die Untauglichkeit der Demmlerschen Kiesgrube und die vorzügliche Eignung  des Vorwerkes Meuscha.
Der Verein „Volksgesundheit“ gründete mit der Eintragung in das Handelsregister Blatt 38 beim Amtsgericht Pirna am 04.06.1920 die Luftbadgenossenschaft Heidenau.
Der Vorstand bestand aus Berndt, Grahl und Nitzsche, der Aufsichtsrat aus Erhardt, Liebscher, Wolf, Bellmann, Heinsch, Liebscher und Hermann.
Endlich konnte der junge Vorstand mit seiner Arbeit beginnen.
Er besaß keinerlei Mittel um die erforderliche Geschäftsein­richtung zu beschaffen. Die Gelder für die Anteile der Mitglieder gingen viel zu langsam ein. Um die Entwicklung nicht durch finanzielle Sorgen zu belasten, sprang der Verein Volksgesundheit ein und gewährte der Genossenschaft ein zinsloses Darlehen von 1300,-- Mark, damit die unbedingt notwendige Einrichtung erstellt werden konnte.
Eine geordnete Finanzierung des Unternehmens hatte oberste Priorität.
Als Berater stellte sich der damalige Wirtschaftsminister Albert Schwarz (SPD) zur Verfügung und  wurde am 24.09.1921 zum Geschäftsführer bestellt.
An die öffentlichen und sozialen Körperschaften wurde mit der Bitte herangetreten, durch Entnahme von Anteilscheinen Mitglied der Genossenschaft zu werden, um dadurch das soziale Werk zu fördern, denn die Genossenschaft sollte ja eine gemein-nützige Genossenschaft sein. Die Gemeinden Heidenau, Kleinzschachwitz, Sporbitz, Dohna, Großzschachwitz, Luga, Niedersedlitz traten als Mitglieder bei und zeichneten namhafte Beiträge als Anteile.
Auch die Industrie der Region wurde gebeten am Aufbau der Anlage mitzuwirken.
Hier die die größten Spender:

Sachsenwerk Niedersedlitz:     10000,- Mark
Stahlwerk Pirna:                      5000,-
Schleewerk Birkwitz:                5000,-
Krause und Baumann AG :        3000,-
Gebr. Seck AG Sporbitz:           3000,-
Hasseröder Papierfabrik:           1000,-
Kaufmann Niedersedlitz:           1000,-
Elektromotorenwerke Heidenau:  500,-
Seidel und Naumann AG:            500,-

Die Genossenschaft verfügte somit über ein annehmbares Kapital und konnte mit dem Bau der Unterkunftsräume auf dem Vorwerk Meuscha beginnen.
Die Verhandlungen mit Herrn Höntsch über Verlängerung des Pachtvertrages waren während dieser Zeit bis zu einem vorläufigen Abschluss gekommen.
Noch eine letzte gemeinsame Besichtigung, dann sollte ein Pachtvertrag auf längere Zeit abgeschlossen werden. Die Besichtigung fand statt und brachte dem Vorstand die stärkste Belastungsprobe, die er bisher zu bestehen hatte. Bei der Besichtigung wurde vom Vorstand die Frage gestellt,  ob das Vorwerk Meuscha nicht käuflich in den Besitz de Genossenschaft übergehen könnte.
Herr Höntsch verneinte und begründet seine Ablehnung. Er machte den unerwarteten Vorschlag der käuflichen Übernahme des Grundstückes an der Erlichtmühle. Dasselbe war 36000 qm groß. Als Kaufpreis wurde 2.-- Mark pro qm genannt. Sie standen unerwartet vor einer neuen Situation.
Auf der einen Seite hatten die Mitglieder wochenlang am Aufbau der Meuscha gearbeitet. Konnte man ihnen zumuten, diese Arbeiten zwecklos getan zu haben?
Auf der anderen Seite wurde die Gelegenheit geboten, den Grund als Eigentum zu erwerben und somit die Unsicherheit eines Pachtvertrages zu bannen. Der Vorstand entschieden sich für das letztere und erklärte die Kaufbereitschaft.
Alle sorgfältigen Berechnungen über die Verwendung des zur Verfügung stehenden Kapitals wurden durch den Kaufpreis von 70.000,-- Mark über den Haufen geworfen.
Wieder war es Albert Schwarz der einen Weg zeigte.
Durch seine Fürsprache erhielt die Genossenschaft  vom Bezirk Dresden der SPD ein Darlehn in Höhe von 70.000,-- Mark zu einem Zins von 3%.
Nun konnte das Grundstück erworben werden. Am 29.01.1921 wurde der Kaufvertrag unter Aufsicht des Notars Trummler aus Niedersedlitz unterschrieben und erhielt Rechtskraft. Die Mitglieder der Verwaltung, die alle ehrenamtlich zum Teil auch nachts, sich engagierten, hatten endlich ein eigenes Stück Land in Eigenbesitz. 
                                                                                                                      
Das Eigentum bestand aus einer nackten Kleebrache. nirgends war ein Strauch oder Baum zu sehen.

Die bedeutend größeren Ausmaße des Grundstücks erforderten ein vielfaches mehr an Material als das Projekt an der Meuscha, ein neuer Plan musste erstellt werden.                                                                                                                                                         Was musste man denn nicht eigentlich alles anschaffen: Duschräume, Garderoben, Sanitäts- und Auskleideräume, Kabinen, ein Wirtschaftsgebäude, dass Schwimm­becken mit dazu gehöriger Beschleusung, das Kassenhäuschen, Turn- und Spielgeräte und alle Einrichtungen die zu einem Luftbad gehörten, mussten erstellt werden. Vor allen Dingen musste die Pflanzung von Baumen vorge­nommen  werden.
Alles wurde überprüft, um die bescheidenen Mittel so vor­teilhaft als möglich anzulegen. Das nächstliegende war die Einzäunung des Grundstückes. Auf Ansuchen stellte  das Finanzministerium das erfor­derliche Holz zu einem ermäßigten Preis zur Verfügung, unter der Bedingung, dasselbe an den Liegeplätzen selbst abzuholen. Die Auto besitzenden Firmen Heidenaus stellten ihre Wagen dazu kostenlos zur Verfügung. Sonntags morgens 5 Uhr wurden nun die Autos bestiegen, um das in Sohweizermühle, Lohmen und Markersbach lagernde Holz abzuholen. Mancher Sonntag musste geopfert werden, aber der Wille etwa gutes zu schaffen, brachte immer wieder eine Anzahl Mitglieder zusammen.
Mit Hilfe der produktiven Erwerbslosenfürsorge wurde die Umzäunung, die Auskleide-Garderobe- und Aborträume erstellt. Der Bretterzaun, welcher die Seite nach der Königsstraße, der heutigen A.- Bebel- Straße,  abschließt, erforderte einschließlich der Errichtung des Kassenhauses die Summe von 25.000,-- Mark. Der Besitzer der Zigarettenfabrik  "Yenidze", Herr Hugo Zietz, übernahm die Kosten dieses Teiles, so dass mit dem Rest des Kapitals an den Bau der weiteren Einrichtungen herangegangen werden konnte.
Währen der Bauarbeiten waren auch noch weitere organisatorische Aufgaben aufgelaufen.  So führte ein öffentlicher Weg durch das Grundstück, dessen fortbestehen für die weitere Entwicklung hinderlich war. Bei der Amtshauptmannschaft Pirna wurde die Einziehung des Weges beantragt und nach Anhörung der Betroffenen auch genehmigt. Am 25.08.1921 wurde die Einziehung verfügt.
Während der Bau der Umkleideräume und Abortanlage voranging, wurde die Beschaffung der nötigen Bepflanzung organisiert. Die Firma Hauber Baumschule aus Tolkewitz stellte eine große Anzahl derselben kostenlos zur Verfügung.
Die Stadt Heidenau baute kostenlos eine Wasserleitung und zeigte dadurch ihr Interesse an der Anlage, der Anschluss kam vom nahen Hochbehälter. Um sich von der Wasserversorgung unabhängig zu machen, wurde nahe dem Hochbehälter eine Quelle angezapft und eine 800m lange Leitung zum Bad verlegt. Eine Grundbucheintragung wegen dem Wasserrecht erfolgte. Der Bau eines Duschgebäudes, sowie die Errichtung von Turn- und Spielgeräte verbrauchten die letzten finanziellen Mittel. Die Einnahmen aus Eintrittsgeldern fehlten, dass Luftbad musste bald geöffnet werden. Am 2.Pfingsttag 1921 wurde die Anlage der Öffentlichkeit während einer Feierstunde übergeben. Vertreter öffentlicher und sozialer Körperschaften waren gekommen, auch hatten sich Vertreter der im Sportkartell verbundenen Vereine sowie zahlreiche Einwohner eingefunden. Nach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden Berndt, welcher die Bedeutung der Sonnenstrahlen für den menschlichen Körber hervorhob und einen Überblick über die geleistete Arbeit gab, sprach Ministerpräsident Buck als Vertreter des Staates, Regierungsassesor Türck für die Amtshauptmannschaft Pirna, Gemeindevorstand Binnewerg für die Gemeinde Heidenau und der Vorsitzende des Verbandes Volksgesundheit, Hermann Wolf. Sie bewunderten die bisherigen Leistungen und sagten ihre weitere Unterstützung zu. Der Arbeiterturnverein Luga zeigte erstmalig Schwedische Freiübungen, der Volkschor Heidenau stellte sich mit seiner Darbietung vor.
Die Hoffnung auf Einnahmen hatten aber das Wetter nicht bedacht, 6 Wochen Dauerregen machten die Benutzung des neuen Bades zur Unmöglichkeit. Auch als der Regen vorüber war, blieben die Gäste aus. Es war alles nötige vorhanden: Dusch- und Garderoberäume, Turn- und Spielgeräte und eine Kantine mit volkstümlichen Preisen. Nach langem Rätseln kam man zu der Erkenntnis, dass die gegenseitige Scheu der Geschlechter noch so ausgeprägt war, dass deren Überwindung noch eine geraume Zeit brauchte. Um das neue, ungewohnte besonders den weiblichen Besuchern schmackhaft zu machen, wurde ein Stück Land eingezäunt und als Damenbad denen zur Verfügung gestellt, die noch nicht genügend Mut zum gemeinsamen Sonnenbaden mit dem anderen Geschlecht hatten.
Und merkwürdig, dieses Damenbad wurde sehr schlecht besucht. Nach 1-2 Tagen im Damenbad tummelten sie sich lustig mit den anderen im Familienbad!
Aber Hauptgrund für die schlechten Besucherzahlen war das Fehlen eines Schwimmbeckens und einer Kantine. Was noch fehlte war bekannt und wurde heftig diskutiert. Finanziell war aber nichts geklärt, nur einige Tausend Reichsmark lagen auf einem Reservekonto. Hier versprach Albert Schwarz wieder Hilfe.
Durch seine Vermittlung stellte der Vorstand der AOK Heidenau unter Übernahme der Bürgschaft der Gemeinde Heidenau 200.000,-- Mark zur Ver­fügung, welche als Hypothek eingetragen wurden. Damit konnte das Schwimmbecken gebaut werden. Die Größe desselben  wurde auf 50 X 20 Meter festgesetzt. Die Arbeiten wurden Herrn Baumeister Schuster, Heidenau, übertragen.
Für die Ausführung eines Gebäudes, welches den Aufenthaltsraum für die Badegäste, Küche, Sitzungszimmer, Kindergarderobe, Badmeisterstube und Werkstatt enthielt, standen weitere 167.000,-- Mark freiwilliger Spenden zur Verfügung. Das Gebäude wurde in eigener Regie errichtet.
Von der Gemeinde Hosterwitz wurde die Einrichtung der dortigen Kriegsküche gekauft und für einen Kantinenbetrieb hergerichtet.
Durch den fortschreitenden Währungsverfall wurden vorerst alle Arbeiten eingestellt. Jetzt galt es das bisher erreichte zu erhalten. Die Eintrittspreise mussten jede Woche geändert werden. Im Sommer 1923 kostete die Jahreskarte für Ortseinwohner 3000,- Mark, während für die Tagesarte 100,- Mark und für die Garderobenutzung 25,- Mark gezahlt werden musste. Diese Preise wurden mit Beginn des Badebetriebes 1923 festgelegt und mussten im Laufe des Jahres verdoppelt werden. Eine geplante Wirtschaftsführung war unmöglich, man lebte von der Hand in den Mund.
Im Vorstand wurde immer lauter darüber diskutiert, die Anlage der Gemeinde Heidenau zu überlassen, um das Fortbestehen zu garantieren. Mit der Gemeinde wurden schon abschließende Verhandlungen geführt. Die Mitgliederversammlung wurde einberufen, die das Vorhaben aber ablehnte. Eine andere Lösung musste gefunden werden. Die 4. Ordentliche Generalversammlung genehmigte am 12.Juli 1924 die Umstellung der Genossenschaftsanteile die Umstellung der Geschäftsanteile in Goldmark und die Goldmarkbilanz vom 01.01.1924. Damit war Schluss mit den Zahlenspielereien und ein geordnetes Arbeiten war wieder möglich. Mit den Gläubigern wurde erfolgreich verhandelt, um die Zinsbelastung niedrig zu halten.
Ein neuartige Schwimmlehrgerüst, was selbst entworfen wurde, konnte von der Gemeinde Heidenau erbaut werden. Der Schwimmunterricht der Heidenauer Schulen war damit gesichert.
Immer mehr steigerte sich der Besuch und damit die Nach­frage nach Kabinen. 2 Blocks mit je 20 Kabinen wurden er­richtet und Wirtschaftsminister  Albert Schwarz stellte uns 5000,-- Mark dazu zur Verfügung, welche hypothekarisch sicher gestellt wurden. Die Erhaltung  und Verbesserung der Anlage erforderte die Aufstellung eines Doppelreckes und Schaukelgerüstes für die Kinder. Die Lattenroste um das Schwimmbecken verschwanden. An ihre Stelle kam ein Beton­belag. Auch das Geländer des Bassins wurde erneuert und nach und nach verschwand manche Einrichtung, die aus Mangel an Mitteln behelfsmäßig erstellt werden musste.          Die immer dringender werdenden Wünsche nach Ausbau der Umkleideräume zwangen nochmals zum Neubau von 60 Kabinen, die einen Kostenaufwand von 4500,-- Mark erforderten.
Durch Aufnahmen einer weiteren Hypothek von 5000,-- Mark konnte auch dieses Bauvorhaben ausgeführt werden.
Besonderer Pflege wurde dem Baumbestand gewidmet. Alljährlich wurde derselbe durch Auspflanzung vergrößert. Die Forstabteilung des Landeskulturrates unterstützte mit fachlichem Rat.
Hatten wir bei Erwerb des Grundstückes ein kahles Brachfeld vor uns, auf dem kein Baum zu sehen war, so sind  nach Verlauf von 10 Jahren 1500 Bäume und Sträucher angepflanzt worden, zur Freude der Badegäste und der sich immer mehr einstellenden gefiederten Sänger, für die  dadurch aus­reichende Nistgelegenheit geschaffen wurde.
Alle im Bade befindlichen Wege wurden gepflegt und befestigt. Bei allen Arbeiten wird der landschaftliche Charakter der Anlage gewahrt und alles vermieden, was diesen  beeinträchtigen könnte. Der Zugang zur Anlage wurde 1928 durch Anlegung einer Freitreppe verbessert, die sich harmonisch in das Landschaftsbild einfügte. Leider musste der Bau eines Planschbeckens aus finanziellen Gründen immer wieder ver­tagt werden. Das Duschgebäude, das als Holzbau nicht mehr den Anforderungen der Zeit entsprach, wurde durch einen Stahlbetonbau ersetzt, der durch seine Einrichtungen alle Ansprüche befriedigte. Auch die elektrische Beleuchtung der Anlage wurde vebessert. Die finanzielle Lage der Genossenschaft musste Dank der Finanzpolitik der Verwaltung als gut bezeichnet werden. Außer einer Hypothek von 10.000-- Mark und den Geschäftsanteilen der Mitglieder in Höhe von 5.666,50 Mark hatte die Genossenschaft keinerlei Verbindlichkeiten.                                                                                                         Demgegenüber steht als Aktivposten die gesamte Anlage in Größe von 36000 qm mit allen ihren vorzüglichen Einrich­tungen.
Im Jahre 1929 wurde die Genossenschaft von einem schmerz­lichen Verlust betroffen. Albert Schwarz wurde durch den Tod abgerufen. Seinem Gedenken ist (1930) ein schlichter Feldstein gewidmet, der den zukünftigen Generation Ansporn sein sollte, in seinem Sinne uneigennützig für das  gesundheitliche Wohl ihrer Mitmenschen zu wirken. 1933 wurde der Gedenkstein von den Nazis zerschlagen.

1933 wurde der Vorstand von den Nazis abgelöst, bis dahin waren im Vorstand Grahl, Berndt und Pietzsch und Ehrhardt, Wolf, Bellmann, Heinsch, Liebscher und Hermann im Aufsichtsrat. Wie gemeinnützig die Genossenschaft wirkte, ist hier aufgeführt: Sämtliche Schulen haben in Begleitung ihrer Lehrer freien Eintritt. Von dieser Einrichtung wird erfreulicher Weise lebhaft Gebrauch gemacht. Nicht nur von Heidenau, sondern auch aus dem Bezirk der Amtshauptmannschaft Pirna und weit darüber hinaus sind Schulklassen Freigäste des Licht- und Luftbades gewesen. Die Kinder der Heidenauer Volksschulen, welche den obligatorischen Schwimmunterrieht besuchen, haben zur Ausübung desselben nebst ihren Lehrern freien Eintritt. Außer diesen Freigästen erhalten alljährlich 300 bedürftige Kinder und die Invaliden- und Rentenempfänger von Heidenau, deren wirtschaftliche Lage ihnen den Eintritt  ins Luftbad unmöglich macht, Jahresfreikarten ausgestellt.

Die Statistischen Angaben über den Freigästebesuch:
1925: 3051 Kinder und 161 Lehrer
1926: 5523 Kinder und 241 Lehrer
1927: 4959 Kinder und 204Lehrer   
1928: 4227 Kinder und 203 Lehrer   
1929: 5907 Kinder und 253 Lehrer   
1930: 5525 Kinder und 211 Lehrer   

Der Zuschuss der Stadt Heidenau betrug im Jahr 1600,- Mark, wovon 600,- Mark für den Wasserverbrauch abgezogen wurden.

Nach 1933 nannte sich die Genossenschaft Luft- und Schwimmbadgenossenschaft e.G.m.b.H. und das Bad entsprechend Heidenauer Luft- und Schwimmbad. In einem Bericht aus dem Jahre 1935 werden 110.000 Besucher angegeben. Bis 1935 sind noch 200 Bäume neu gepflanzt worden, das Damenbad konnte vergrößert werden.



Die Arbeitersportbewegung und Albert- Schwarz
 
Trotz politischer Spannungen gingen nach dem 1. Weltkrieg die Mitglieder des schon 1892 ge­gründeten Arbeiter-, Turn- und Sport- Bundes daran, das Vereinsleben wieder zu beleben. Hierbei wurden sie von vielen Sozial­demokraten unterstützt. Die bekanntesten dürften Albert Schwarz und Max Walther sein.
Durch die Verschmelzung der Gemeinden Mügeln, Heidenau und Gommern am 1.April 1920 zu einer Gemeinde, erhielt das Vereinsleben, auch durch Zuwachs von Mitgliedern, neuen Auftrieb.
Schon 1919 wurde ein Sportkartell gegründet, in das alle Arbeitervereine, wie Turn,- Radfahr-, Athleten-, Dramatischer-, Volksgesundheitsverein und später die Naturfreunde, der Arbeiter-Samariter-Bund und der Schachklub einbezogen wurden.
Gemeindevertreter und der Verein Volksgesundheit regten den Bau eines Luftbades an. Mit Unterstützung des damaligen Sächsischen Wirtschaftsministers Albert Schwarz (5PD) war es möglich, 1920 mit dem Bau des Bades an der Meuscha zu beginnen. Als Mitgründer der Luftbadgenossenschaft hat die Anlage von ihm jederzeit große Förderung erhalten. Der Heidenauer, der bis zu seinem Tode auf der Kantstraße 15 wohnte, überwies seine Tantieme aus seiner Aufsichtsratsmitglieds-schaft in der GOSAG auf das Konto des Luftbades als laufende Finanzierung.
Noch während des Baues des Luftbads wurde mit Unterstützung demokratischer Gemeindevertreter, sowie dem Minister Albert Schwarz im Herbst 1922 mit der Planung einer weiteren Sportanlage begonnen, deren Bau im Frühjahr 1923 begann.
Um alle nötigen Vorarbeiten ordentlich koordinieren zu können, wurde ein Bauausschuss gewählt, deren Vorsitzender Willi Lederer wurde. Dank der vielen ehrenamtlichen Helfer, die den Untergrund bewegen und planieren mussten (200 Fuhrwerke), konnte die Sportanlage vom 22.-25. Mai 1925 eingeweiht werden.
Die Finanzierung sollte durch ein Darlehn von 10.000 RM seitens der Arbeiter- und Angestelltenbank, für das die Gemeinde gutgesagt hatte sowie dem Verkauf von Bausteinen und freiwilliger Arbeit beim Bau abgedeckt werden. Nach der Fertigstellung des Sportheimes, für das es auch eine Schankgenehmigung gab, war es dem Verein möglich, diese Schuldenlast schnellstens abzubezahlen. In die Entwicklung  des Vereins fiel aber auch manch bitterer Tropfen. So brachte es die politische Lage mit sich, dass eine Spaltung eintrat, da einige in der KPD organisierte Mitglieder eine eigene Fußballabteilung gründeten.

Nach 1933 politisierten die Nazis in ihrem Sinne die Arbeitersport-bewegung und viele Aktivisten wurden kaltgestellt. Einige, die sich außerdem politisch links engagierten, wurden von ihnen verfolgt.





Das Eigentum bestand aus einer nackten Kleebrache. nirgends war ein Strauch oder Baum zu sehen.
Der Stein wurde 1933 von den NAZIS zerschlagen
Nach 1933 politisierten die Nazis in ihrem Sinne die Arbeitersport-bewegung und viele Aktivisten wurden kaltgestellt. Einige, die sich außerdem politisch links engagierten, wurden von ihnen verfolgt.